Heute möchte ich einmal ein paar Gedanken zum Fliegen mit dem GAFOR loswerden. Erst einmal sei festgestellt, das GAFOR (General Aviation Forecast) nicht nur in Deutschland erstellt wird, sondern international in vielen Ländern. Allerdings gibt es zwar einheitliche Richtlinien, aber auch teils gravierende Unterschiede. Ich konzentriere mich hier einmal auf die GAFOR Berichte für die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich. Einen ersten wichtigen Unterschied gibt es zwischen den GAFOR-Berichten von Deutschland und Frankreich einerseits und der Schweiz und Österreich andererseits. In Frankreich und Deutschland werden Gebiete eingestuft, in der Schweiz und in Österreich Flugstrecken. Das macht auf Grund der Orografie sicherlich auch Sinn. Allerdings können beide Einstufungen so ihre Tücken mit sich bringen. In Deutschland und Frankreich gibt es oft sehr große Gebiete, die eingestuft werden müssen. Wenn man bedenkt wie unterschiedlich Wetter schon innerhalb kleinerer Gebiete sein kann, wird sicherlich jedem klar, wie gut oder schlecht eine Einstufung mit einem Buchstaben/Zahlencode sein kann. Vielleicht hier auch gleich eine Anmerkung, die glaube ich nicht jedem Pilot bewusst ist. Im Luftfahrthandbuch AIP VFR werden Piloten darauf hingewiesen, daß die vorhergesagten Einstufungen der Sichtflugmöglichkeiten im größten Teil der jeweiligen Gebiete vorherrschend sein sollen. Da verstecken sich gleich zwei schwammige Einschränkungen, nämlich im größten Teil der Gebiete und dann auch nur vorherrschend. Es ist also nicht garantiert, daß wirklich überall im eingestuften Gebiet auch die angegeben Bedingungen vorhanden sind. Kleinräumige oder kurzzeitige Abweichungen sind jederzeit möglich. Da größten Teil und vorherrschend nicht mit Zahlenwerten definiert sind, kann man sich auch vorstellen, daß die Wetterberater dies eventuell auch geringfügig anders interpretieren. Bei dem einen sind zum größten Teil halt 95%, bei dem anderen 85%. Jedoch gibt es auch hier noch einen Anhaltspunkt und das wären die Flugplätze im jeweiligen Gebiet. Um aber einmal zu verdeutlichen, wie kompliziert solch eine Einstufung sein kann hier ein konstruiertes Beispiel. Im Gebiet 43 herrschen bei einer Hochdruckwetterlage zu 95% CAVOK Bedingungen vor, lediglich der Flugplatz Kassel-Calden sitzt in einem Nebelloch. Dies ist auch auf dem Satellitenbild eindeutig abzugrenzen. Wie soll man dieses Gebiet nun einstufen ? Nach den Richtlinien ganz eindeutig mit "C". Aber was sagt wohl der Pilot, der in Kassel sitzt und diese Gafor-Einstufung zu lesen bekommt ? Diese Problematik wird es sicherlich auch geben, wenn man Strecken einstuft, aber ich könnte mir vorstellen, daß man hier auch einmal zu einer schlechteren Einstufung greift, wenn ein Stück der Strecke eben nicht befliegbar ist. Für mich zeigt dies auf jeden Fall eines ganz deutlich. Ich sollte mich nicht allein auf die GAFOR-Einstufung verlassen, sondern soviel wie möglich anderen Informationen mit einbeziehen. Glücklicherweise sind die meisten Länder dazu übergegangen, an ihre Einstufungen noch zusätzliche Informationen anzuhängen. Dies geschieht meist in der Form, daß ein Wetter für ein Gebiet und Zeitraum an die Einstufung rangehängt wird. Dies bietet meiner Meinung nach einen enormen Vorteil, vor allem bei Schauer und Gewitterlagen. Auch dies sind nun einmal Erscheinungen, die oft nur sehr punktuell schlechtere Bedingungen mit sich bringen und durchaus nicht vorherrschend und auch nicht im größten Teil des Gebietes anzutreffen sind. Ist nun ein Gebiet z.B. mit "O" eingestuft, aber es erscheint noch ein OCNL TSRA als Bemerkung, ist dies für den Piloten doch wesentlich hilfreicher als ein schlichtes "O". Wenn man noch dazu bedenkt, daß in leichten Gewittern nicht zwingend die Bedingungen unter die "O" Stufe rutschen, ist diese Information umso wichtiger. Wer fliegt schon gern in Gewittern rum. Auch in den anderen Ländern, außer der Schweiz werden solche Wetterinformationen mitgeliefert. In Österreich erscheinen diese bei der Kartendarstellung unter den jeweiligen Gebietseinstufungen, in Frankreich erfolgt diese Angabe oft hinter der Einstufung mit LOC oder TEMPO/BECMG und einer Zeitangabe. So das waren meine ersten Gedanken zum Fliegen mit GAFOR. Vielleicht gibt es ja dem ein oder anderen Piloten einen Gedankenanstoß.